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Jüdische Reform und Architektur: Die „Erfindung“ der Reformsynagoge im heutigen Land Niedersachsen und ihre weltweite Verbreitung im 19. Jahrhundert gefördert vom Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Programm PRO*Niedersachsen Im Jahr 2010 werden die jüdischen liberalen und progressiven Reformgemeinden in aller Welt den 200. Jahrestag ihrer „Mother synagogue“ feiern – den Jahrestag des 1810 in Seesen eingeweihten „Jacobstempels“, der ersten eigens errichteten Reformsynagoge. Dieses Datum nimmt die Bet Tfila – Forschungsstelle als Anlass, die von Niedersachsen ausgehenden Anfänge der Reformsynagogen und ihre Verbreitung von Deutschland über die angrenzenden Länder und Amerika zu erforschen. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hatte mit Moses Mendelssohn, der mit Lessing in Wolfenbüttel in regem Austausch stand, einen wichtigen jüdischen Vertreter gefunden. Die Verfechter der jüdischen Aufklärung (Haskala) strebten eine Reformierung des Judentums an. Sie betraf alle Bereiche des jüdischen Lebens und förderte die Prozesse der rechtlichen Emanzipation, der kulturellen Assimilation und des Strebens nach „Verbürgerlichung“. Ein Aspekt war die Reform des Gottesdienstes, die neue liturgisch-funktionelle Voraussetzungen für den Synagogenbau schuf: Bestimmte architektonische Merkmale machen eine Synagoge zum „Reformtempel“, sie zeugen von den Überzeugungen ihrer Erbauer sowie von den Möglichkeiten, die die christliche Mehrheit zur Darstellung jüdischen Selbstbewusstseins offen ließ. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Region Niedersachsen, von wo für die Entstehung und Entwicklung des Reformjudentums wichtige Impulse ausgingen. An verschiedenen Orten lassen sich hier sowohl Wandlungen im religiösen Leben der jüdischen Gemeinden als auch in ihrer sozialen und kulturellen Identität ablesen: Neue Synagogen sprechen hierfür ebenso wie die Reform des jüdischen Schulwesens, wofür neben Seesen auch die Freischulen in Hannover und Wolfenbüttel zu nennen sind. Früh breiteten sich die neuen Ideen in kleineren Orten Niedersachsens aus. Mit einer Rabbinerversammlung 1844 in Braunschweig gingen von hier erneut Anregungen für die Reform aus, die in Deutschland, Europa und den USA rezipiert wurden. Niedersächsische Synagogen des 19. Jahrhunderts repräsentieren die Entstehung und Entwicklung des Typus der „Reformsynagoge“, deren Geschichte und Gestalt nun auf breiter archivalischer und dokumentarischer Grundlage beschrieben und mit interdisziplinärem Ansatz interpretiert werden soll. Eine Publikation wird das Projekt abschließen, und mit einer (Wander-) Ausstellung soll die Thematik der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Am Beispiel der Reformsynagogen wird sie die Geschichte des Judentums in unserer Region und ihre Bedeutung für die allgemeine Entwicklung verdeutlichen und so die Kenntnis jüdischer Kultur und Geschichte vertiefen. |
Seesen/ Deutschland :Rekonstruktion des Jakobstempels ![]() |
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