Die Architekturen jüdischer Gemeinschaften in Berlin (Synagogen, Betsäle, Ritualbäder, Friedhofsbauten und andere Einrichtungen)

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, die Architektur jüdischer Gemeindeeinrichtungen in Berlin kritisch vergleichend und im Kontext der Geschichte der Juden in dieser Stadt zu erfassen und darzustellen. Die Genese dieser Bauten und Einrichtungen wird in neuer, bisher nicht gegebener Vollständigkeit und Tiefe zu bearbeiten sein. Neben den zahlreichen Synagogen der zeitweilig größten jüdischen Gemeinde Deutschlands sollen erstmals auch die übrigen, religiösen und rituellen Vorschriften gemäß errichteten Bauwerke und Einrichtungen (Betsäle, Friedhofsbauten, Ritualbäder etc.) zum Gegenstand systematischer Untersuchungen gemacht werden. Das Bild der „jüdischen Topographie“ der Stadt soll vervollständigt und besser verständlich werden. Zu bearbeiten sind sämtliche Bauten und Einrichtungen, die zwischen 1671 und 1945 entstanden und noch zu belegen sind.

Die Darstellung wird auf der Grundlage unterschiedlichen Quellenmaterials und daher in enger interdisziplinärer Kooperation der drei beteiligten Institutionen (Fachgebiet Baugeschichte, Braunschweig, Centrum Judaicum, Berlin, Center for Jewish Art, Jerusalem) zu entwickeln sein: Bauaufnahmen und Fotodokumentationen der aktuellen Zustände, historische Bauzeichnungen und Fotos sowie mit ihrer Hilfe entwickelte Rekonstruktionen stellen die Bauten und Einrichtungen bildlich vor, relevante Textquellen erhellen ihre Geschichte, Zeitzeugenberichte werden, so ist zu hoffen, über Baugestalt und Ausstattung hinaus Einblicke in das „Leben“ jüdischer Gemeinschaften in Berlin gewähren. Die Zerstörung der Gemeindeeinrichtungen, die mit der Verfolgung und Vernichtung der Gemeinden 1933 bis 1945 einherging, wird dabei ebenso zu dokumentieren sein wie der Umgang mit den Orten und Objekten seit dem Zweiten Weltkrieg.

Große Hoffnungen setzt die Arbeitsgruppe auf die Erinnerungen von Zeitzeugen, die den Wissenschaftlern und letztlich den Nutzern der Datenbank Einblicke in das alltägliche Leben der Berliner Juden innerhalb der untersuchten Einrichtungen ermöglichen können.

Die Bet Tfila bittet daher die älteren Mitglieder, ihre Erinnerungen an die baulichen Merkmale der Gemeindeeinrichtungen, an Umbaumaßnahmen, ihre Nutzung und Nutzer, die Zerstörung und Missbrauch zwischen 1933 und 1945 mit den Mitarbeiteitern des Datenbank-Projektes zu teilen. Auch Erinnerungsstücke, wie Fotos oder Postkarten in Privatbesitz, auf denen die Bauwerke und ihre Besucher abgebildet sind, werden sehr hilfreich sein.

Falls Sie Angaben zu Jüdischen Gemeinschaftseinrichtungen machen können, wenden Sie sich bitte an Katrin Keßler (Jerusalem) oder N.N. (Braunschweig) von der Bet Tfila oder an das Daniela Gauding im Centrum Judaicum in Berlin.

Berlin: Synagoge Oranienburgerstraße